Warum gutes Trailmaterial die Basis für sauberes Arbeiten ist
Warum gutes Trailmaterial die Basis für sauberes Arbeiten ist
Mantrailing lebt von Klarheit, Struktur und Wiederholbarkeit. Dazu gehört auch ein Materialsetup, das den Hund unterstützt statt stört. Das passende Geschirr, eine funktionale Leine, gute Sichtbarkeit und eine vorbereitete Belohnung schaffen nicht nur Sicherheit, sondern auch Ruhe im Ablauf.
„Gutes Material ersetzt kein Training, aber es verhindert viele unnötige Störungen, die den Hund aus seinem Suchbild bringen können.“
Das Trailgeschirr: Bewegungsfreiheit und Stabilität
Ein gut sitzendes Trailgeschirr gehört zu den zentralen Bestandteilen des Mantrailings. Es muss dem Hund volle Schulterfreiheit geben, die Atemwege freihalten und dennoch stabil bleiben, wenn Zug entsteht. Ungünstig geschnittene Geschirre, etwa mit dünnen Gurten, scheuernden Rändern oder zu kurzen Bruststücken beeinträchtigen das Gangbild und können den Suchfluss stören. Ein passendes Geschirr unterstützt den Hund darin, seinen natürlichen Bewegungsablauf beizubehalten, sei es im gleichmässigen Rhythmus, in tiefer Nase oder in Phasen erhöhter Spannung.
Damit das Geschirr optimal sitzt, lohnt es sich, es von einer Fachperson anpassen zu lassen. Bei hsm empfehlen wir das ZAMPA Trail-Outdoor-Geschirr, da es stabil konstruiert, gut gepolstert und so verarbeitet ist, dass es sich nicht störend über den Rücken bewegt. Ein Unterschied, den man im Arbeitsbild vieler Hunde deutlich erkennt.
Die Langleine: Verbindung ohne Spannung
Die Leine ist deine Verbindung zum Hund, nicht dein Steuerungswerkzeug. Eine gute Mantrailing-Leine liegt weich in der Hand, verhakt nicht und gleitet ruhig nach, ohne Rucke zu übertragen. Material und Länge sind Geschmacks- und Trainingssache, doch entscheidend ist, dass sie dem Hund Bewegungsfreiheit lässt und zugleich neutrale Kommunikation ermöglicht. Aus unserer Erfahrung empfehlen wir eine Länge von sieben bis acht Metern, da sie dem Hund genügend Raum bietet, ohne die Verbindung zum Hundeführer zu verlieren.
Ruhe vor dem Trail: die oft unterschätzte Auto-Pause
Ruhephasen sind ein fester Bestandteil des Trailsettings. Ein Hund, der im Auto entspannen und herunterfahren kann, startet deutlich strukturierter in die Arbeit. Eine ruhige Box, ein klarer Ablauf und genügend Abstand zu anderen Teams reduzieren Erregung und unterstützen die mentale Vorbereitung. Je stabiler der Hund vor dem Start ist, desto klarer fällt er in sein Suchbild.
Ebenso wichtig ist die Erholungsphase nach dem Trail. Lernen kann nur stattfinden, wenn der Hund Erlebtes in Ruhe verarbeiten darf. Deshalb sehen wir das Auto als unverzichtbaren Rückzugsort im Mantrailing: Es bietet dem Hund einen geschützten Raum, in dem er abschalten, regenerieren und das Gelernte festigen kann.
Und nein, damit schliessen wir nicht pauschal Menschen ohne Auto aus. Unsere Erfahrung zeigt jedoch deutlich, dass der eben erwähnte Lerneffekt schlicht verpufft, wenn der Hund keinen echten Rückzugsort hat. In Stoffboxen oder Veloanhängern fehlt die nötige Ruhe, der Hund wird im Winter nass oder friert, hört jedes vorbeilaufende Team, bleibt gedanklich „on duty“ und kommt nie wirklich runter.
Und wenn der Hund dann auch noch aus der Box ausbüxt, haben wir den Salat. Glaub uns, wir haben genug erlebt, um dankend darauf zu verzichten.
Wenn wir gewisse Lösungen deshalb nicht empfehlen, dann nicht aus Boshaftigkeit oder weil wir Menschen ausschliessen möchten, sondern weil wir wissen, was ein Hund für nachhaltiges Lernen und für sein Wohlbefinden tatsächlich braucht.
Sichtbarkeit: Sicherheit geht vor, besonders im Dunkeln
Sichtbarkeit ist kein dekoratives Extra und hat auch nichts mit der Bewegung Gilet Jaune :-) zu tun, sondern ist ein elementarer Sicherheitsfaktor. Reflektoren oder Lampen für den Hund, eine Stirn- oder Brustlampe für den Menschen und gut sichtbare Kleidung schützen euch in der Dämmerung und im Dunkeln. Zudem musst du deinen Hund im Lichtkegel klar sehen können. Nur so erkennst du seine Bewegungen, seine Körpersprache und die feinen Signale, die er dir während der Suche zeigt.
Belohnung: hochwertig, klar vorbereitet und situationsgerecht
Die Belohnung soll zum Hund und zur Arbeit passen. Hochwertiges Futter ist eine gute Option, aber nicht die einzige. Manche Hunde arbeiten besser auf ein kurzes Spiel, eine Beisswurst oder ein Mini-Ritual, das nur im Trail vorkommt. Entscheidend ist, dass die Belohnung vorbereitet, rasch verfügbar und eindeutig mit dem Finden verknüpft ist.
Wenn du mit Futter arbeitest, lohnt sich Ausprobieren. Finde heraus, welche Belohnung bei deinem Hund wirklich „zündet“, also jenes Futter, für das er sich sichtbar anstrengt und mit vollem Einsatz arbeitet. Denn am Ende sucht der Hund nicht die Person der Person wegen. Er sucht, um seine absolute Top-Belohnung zu bekommen.
Vergiss dabei auch das Wasser nicht. Nach der Arbeit hat der Hund nicht nur Durst, sondern Wasser hilft zusätzlich, die Rezeptoren zu „spülen“. Das unterstützt die Regeneration der feinen Geruchssensoren und sorgt dafür, dass der Hund für den nächsten Trail wieder klar arbeiten kann.
Warum Material allein nicht reicht, aber enorm hilft
Material ersetzt keine Ausbildung, doch es sorgt dafür, dass der Hund ungestört arbeiten kann. Ein bequemes Geschirr, eine funktionale Leine, Sichtbarkeit, Ruhephasen und eine gut vorbereitete Belohnung schaffen einen Rahmen, in dem der Hund seine eigene Arbeit sauber entfalten kann. Und genau diese Klarheit ist es, die professionelles Mantrailing ausmacht.
Sechs Fragen an Silke
Material ist mehr als Deko.
Meine Erfahrungen mit Vinny im Mantrailing.
Ich trailte mit meinem Schweizer Niederlaufhund Vinny schon einige Zeit, bis mir bewusst wurde, wie stark Material die Arbeit beeinflusst. Nicht optisch, sondern funktional. Heute weiss ich: Das passende Geschirr verändert nicht den Hund, sondern meine Möglichkeit, ihn wirklich zu lesen.
Wann habe ich gemerkt, dass Material einen Unterschied macht?
Mit dem ersten Einsatz eines neuen Trail-Geschirrs. Plötzlich waren Vinnys Signale klarer. Der Zug auf der Leine entstand von selbst und blieb konstant. Ich musste nicht mehr nachjustieren, sondern konnte mich auf seine Bewegung konzentrieren und seine Richtung besser wahrnehmen.
Gab es einen Material-Fauxpas mit Aha-Effekt?
Definitiv. Vinny hat einen sehr langen Körper und lief lange in einem Standardgeschirr. Der Zugpunkt lag ungünstig unter den Schulterblättern. Eine gespannte Leine gab es fast nur, wenn ich eingegriffen habe. Der Wendepunkt kam bei der Anprobe eines Trail-Geschirrs. Vorne XS, am Rücken S bis M. Das Resultat war eine Massanfertigung. Seitdem kommt der Zug vom Hund und nicht von mir.
Was ist für Vinny der stärkste Reward?
Sein Suchwille ist grundsätzlich hoch. Er arbeitet gerne und mit viel Freude. Trotzdem merke ich klar, dass seine Motivation nochmals steigt, wenn er weiss, dass Cervelat oder Wienerli im Spiel sind.
Wie wirkt sich Ruhe im Auto auf den Trail aus?
Seine Box ist so platziert, dass er nichts sieht. Das hilft ihm, wirklich abzuschalten. Die Spannung entsteht erst kurz vor dem Start. Das Startritual signalisiert ihm klar, dass jetzt gearbeitet wird. Kein Vorstress, kein Ferienlager-Modus.
Ein Materialtipp für neue Teams?
Ein passendes Trail-Geschirr. Nicht zwingend von Anfang an, aber bewusst gewählt. Ich habe über Jahre vieles ausprobiert, ohne die eigentliche Limitierung zu erkennen. Umso eindrücklicher ist heute die Entwicklung. Gutes Material kann auch später nochmals eine neue Qualität in die Arbeit bringen.
Gutes Material ersetzt keine Ausbildung. Aber es kann verhindern, dass man sich unnötig im Weg steht. Für uns war es ein stiller, aber entscheidender Schritt.
